Beim 30. Kongreß des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb wurde Alarm geschlagen. Bewegungs- und Haltungsstörungen scheinen sich bei Kindern und Jugendlichen zu einer Volkskrankheit auszuweiten. Die Berieselung durch Technische Medien wie Fernsehen, Gameboy, PC und Internet sind verantwortlich für den Bewegungsmangel, den Einbruch von Kreativität, Phantasie und individuelle Wahrnehmung bei Kindern und Jugendlichen. Mangels entsprechenden Vorsorgeaufwendungen werden pro Jahr zweistellige Milliardenbeträge investiert, um die daraus entstehenden Schäden zu behandeln.
Kinder halten sich heute nur noch zu fünf Prozent des Tages (etwas mehr als eine Stunde) außerhalb geschlossener Räume auf. Sie bewegen sich am Tag im Durchschnitt nur noch 30 Minuten intensiv, wobei ein zunehmender Anteil sich praktisch überhaupt nicht mehr bewegt.
Drei- bis Fünfjährige sitzen im Schnitt eineinhalb Stunden, Zehn- bis 13 jährige über zwei Stunden pro Tag vor dem Fernseher. 14 jährige haben heute im Schnitt bereits über 19.000 Stunden vor der Flimmerkiste verbracht. 55 Prozent aller Kinder in Deutschland spielen heute gar nicht mehr draußen. Vor 20 Jahren lag die Quote der reinen Stubenhocker lediglich bei 20 Prozent.
Noch schlimmer als diese reinen Zahlen sind die Folgen, die der damit verbundene Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen auslöst. Bereits im Schulalter haben 30 Prozent der Kinder Haltungsschäden und bis zu 40 Prozent Schwächen in der Körperkoordination.
Immer weniger Vier- oder Fünfjährige können bei der Vorsorgeuntersuchung U 8 oder U9 auf einem Bein hüpfen, einen Ball fangen oder rückwärts gehen. In der Schule werden 40 Prozent des Mobiliars den heutigen Körperproportionen von Schülern nicht mehr gerecht. Zehn Prozent der Kinder leiden allein deshalb an Haltungsschäden.
Milliarden werden also für die Folgen derartiger Mängel investiert – aber gerade mal ein Prozent des Budgets für Prävention. Eine bedenkliche Entwicklung.
Dr. Jörg Schriever, der Tagungsprädident des Herbst-Kongreßes sprach sich für dreimal wöchtentlichen Schulsport aus, Unterstützt von Bundestagsabgeordneten Dr. W. Wodarg.
Aber wie wir alle wissen, dauern derartige Veränderungen in unseren Gefilden oft länger als nötig. Schließlich war ja geplant, den Schulsport ja noch weiter kürzen.
Allerdings soll ja die Prävention als gleichwertige Säule im Gesundheitswesen etabliert werden. Wir harren also der Dinge, die da kommen werden. Für uns als Trainer könnte die Arbeit mit Kindern auch eine wertvolle Perspektive sein. |