Wann und wie kamst Du zum Indoor-Cycling?
Ich kam zum ersten mal 1993 auf einer Messe mit IC in Berührung und da ich zu dem Zeitpunkt sehr auf das Mountain Bike fixiert war fand ich es eher abstoßend. Ich konnte mir damals nicht vorstellen das es wirklich Freude bringen kann in einem geschlossenen Raum zu fahren. Dafür musste ich mich dann erst bei einer Ausbildung begeistern lassen. Das Feuer, welches mich damals erwischte brennt heute noch und ich kann mir diesen Sport nicht mehr wegdenken.
Hattest oder hast Du ein Vorbild in der Cycling-Szene?
Nein, kein Vorbild. Es waren eher verschiedene Persönlichkeiten die mich fasziniert haben. Den wohl stärksten Einfluss hatte damals Chris Herbert auf mich, weil er mir in seinen Kursen und unseren Gesprächen die Verantwortung und die Energiesteuerung näher brachte und er warnte mich vor dem damaligen Trend der extrem belastenden Kurse.
Was fällt Dir zu Johnny Goldberg ein?
Ich habe ihn sehr unterschiedlich erlebt. In Deutschland war seine Handlungsweise sehr fremd für mich. Ich habe ihn aber in Italien bei der Rimini Messe im Jahr 2000 (glaube ich mich zu erinnern) erlebt und dort einen ganz anderen Johnny gesehen. Dort hat er die Menschen fasziniert und auf eine Art begeistert die absolut seinesgleichen sucht.
Deine allererste Convention – welche und wann war diese? Was hast Du unterrichtet und wie war es für Dich?
Meine erste Convention die ich als Presenter erlebt habe war die Bodylife in Karlsruhe im Jahr 1999. Damals waren wir absolute Underdogs mit einem neuen Produkt und einem total gemischten Team aus bekannten Aerobic-Presentern wie Pam Cosmi oder Marc Johnson und reinen Radsportlern. Mein erster Kurs am Donnerstag war mit 7 Teilnehmern besetzt und ich war dermaßen aufgeregt dass ich fast meinen Namen vergessen hätte. Die Mundpropaganda über unsere energiegeladenen ersten Kurse sorgten dafür, das wir am Samstag und Sonntag volle Kurse hatten. Die Resonanz der Teilnehmer war dermaßen intensiv das ich erst am Montag realisiert habe wie viel Freude das presenten macht.
Was waren Deine besten Momente auf der Bühne?
Oh da gibt es viele Beispiele. Ich versuche die mir am stärksten in Erinnerung gebliebenen Kurse zu beschreiben:
Bodylife Much 1999: Ein Kurs auf kleinsten Raum (ca. 22qm) vollgefüllt mit 20 Bikes, Bühne und Soundsystem. Alle Bikes besetzt, kein Sauerstoff mehr im Raum, die Leute absolut außer Rand und Band, mehr als 30 Leute die sich die Nase an der Scheibe platt drückten und mitgefiebert haben.
Kiel 2000: Mein letzter Kurs am Sonntag mit normal 50 Bikes, aber die Teilnehmer holten immer mehr Bikes aus den anderen Räumen. Der Raum war dann mit über 80 Bikes total überbelegt und die Teilnehmer wollten gar nicht mehr aufhören. Der Kurs verselbstständigte sich immer weiter. Ich konnte machen was ich wollte, die Teilnehmer wollten nicht aufhören. Ich öffnete dann ein Fenster, draußen lag Schnee und wir hatten sofort Bodennebel im Raum. Das Wasser tropfte zu dem Zeitpunkt schon von den Wänden. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt den Raum verlassen können. Die Teilnehmer hätten nicht aufgehört.
Toronto 2002: Freitagabend, die Party unseres Händlers bis um 3.00 Uhr in der Nacht. Dann am Samstag der Kurs mit keltischer Musik um 6.30 Uhr im dritten Untergeschoss des Messegeländes. Der Kurs war überfüllt. Ca. 20 Personen mehr im Raum sitzend, teilweise mit geschlossenen Augen der Musik folgend. Keine Reaktion der Teilnehmer während des Kurses alle am Träumen, aber dann nach dem Kurs umarmen mich Teilnehmer unter Tränen und bedanken sich für den Kurs. Ich habe noch heute Gänsehaut wenn ich daran denke.
Rimini 2002: Mein erster Auftritt bei einem Productlaunch mit 200 Bikes im Ausland. Auf der Leinwand hinter mir hatten wir das Fußballspiel der WM der Italiener. Es lief das entscheidende Spiel der Vorrunde und für die Italiener ging es um alles. Die Bikes waren voll und viele Zuschauer standen da und fieberten mit ihrer Mannschaft. Ich werde die Gesichter nicht vergessen als die Italiener ein Gegentor kassierten und damit im Rückstand waren und dann die Lautstärke und Schreie als der Ausgleichstreffer kam und dadurch die Italiener weiter waren im Kampf um die WM.
Evolution Ride Nürnberg 2004: Der Kurs am Sonntag. 230 Teilnehmer und ich hatte das Gefühl eines Konzertes und nicht mehr das einer Convention. Die Blicke und Reaktionen der Teilnehmer auf die Musik... Es war alles total intensiv und heftiger als ich es bis jetzt kannte. Die Energie in diesem runden Kuppelsaal war der absolute Hammer.
NCA Oldenburg 2004: Sport mit Freunden ohne das ich nachdenken muss was ich wem sage, wie und was ich besser für mich behalte oder wie ich mein Feedback verpacke. Den Sport genießen und gleichzeitig total frei in Kopf und Seele, ohne Politik. Super.
Was waren Deine schlimmsten Momente auf der Bühne?
Das war meine dritte Bodylife. Wir sind oben in der Nancyhalle gefahren und ich hatte einen CD-Koffer mit 60 CD´s die darin ohne Hüllen waren. Der Koffer sah aus wie eine große Zigarre. Mitten im warm-up stoße ich mit dem Ellenbogen an den Koffer und 60 unbeschriftete CD´s fliegen durch den Raum. Danach sind wir Überraschungsstunde gefahren, da ich keine Ahnung mehr hatte was wo war. Aber in dem Moment in dem ich meinen Koffer fliegen sah, dachte ich nur noch „...was jetzt...“. Mein Gesicht muss echt heftig schockiert gewesen sein.
Gerade auch im Indoor-Cycling-Bereich kommt es sehr viel auf Motivationskünste an. Wie motivierst Du Deine Teilnehmer?
Mein Ziel ist es, den Teilnehmern ein gutes Gefühl und Kraft für ihren Alltag zu geben. Sie sollen die Kraft an ihr soziales Umfeld oder an die Teilnehmer in ihren Kursen weitergeben können. In einer Zeit in der alles so düster und ellenbogenlastig geworden ist, brauchen die Teilnehmer Motivation in diesem Bereich. Das hat für mich etwas mit emotionaler Verantwortung zu tun. Ich versuche bei der Auswahl der Trainingsbelastung und der Musikauswahl die Höhepunkte so zu setzen, dass die Teilnehmer die Motivation der Musik aufnehmen und ich sie dann noch steigern kann. Meiner Ansicht nach sollten die Teilnehmer nicht „gezwungen“ werden auf Motivationsspiele zu reagieren, sondern den „Faden“ selber aufnehmen. Ich bin dabei mehr das leitende Medium zwischen Intensitätslevel und Musik und Teilnehmer.
Du hast es ja schon erwähnt, die Musik spielt also eine große Rolle beim Cycling!? Welche Musikrichtung verwendest Du am liebsten?
Die Musik im Cycling ist für mich eine Majorität bezogen auf den Kurs. Sie ist der Träger für Emotionen, Energie und Dynamik. Meine bevorzugte Musik kommt aus dem Trance und Ambientbereich. Ich bin immer auf der Suche nach exotischer Musik. Jedes mal wenn ich im Ausland bin stöbere ich in Musikgeschäften um meinen Fundus zu erweitern.
Man sagt den Cycling-Kursen allgemein schon wieder langsam das Aussterben nach! Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
Wie könnte man dem in den Studios entgegenwirken? Es gibt Personen die behaupten Cycling stirbt, Aerobic stirbt oder sogar Group Exercise ist am verblühen. Es ist einfach so, dass ich im Studio eine verantwortliche Leitung des Cycling-Bereichs benötige und nicht den Fehler machen darf Cycling weiterhin als Bereich des Aerobic zu sehen. Wenn ich diesen Schritt vollzogen habe kommt eine Bedarfsanalyse und das Ausrichten des Kursangebotes nach der Nachfrage und Trainingszielsetzung. Wenn ich diese Aspekte berücksichtige, dann steht einer positiven Entwicklung der Kurse im Studio nichts mehr im Wege.
Bist Du eingefleischter Cycler oder hast Du Dich auch schon in anderen Kursbereichen hineingewagt? Pumping, Yoga, Step etc.?
Mein Background für das Cycling war der Mountainbike-Sport. Ich habe aber vorher Hip-Hop und Aerobic unterrichtet und dann nachdem ich schon Cycling unterrichtet habe, habe ich noch bei Kai Schumacher die Iron System Ausbildung gemacht.
Auf was legst Du als Dozent besonderen Wert in Deinen diversen Ausbildungsgruppen?
Für mich steht immer im Vordergrund, dass meine Teilnehmer in den Ausbildungen und den Workshops die Verantwortung verstehen, die sie gegenüber den Teilnehmern in den Kursen im Studio haben. Dafür ist eine emotionale Verantwortung und soziale Kompetenz von Nöten die in unserer ich-bezogenen Gesellschaft gerne vergessen wird. Auch die Trainingssteuerung ist ein immer wichtigerer Punkt in den Stunden der gerne vergessen wird. Viele Instructors rattern Kurse ohne irgendeinen Hintergrund runter und die Teilnehmer wundern sich das sie sich nach 3 oder 6 Monaten eher schlapp als fit fühlen.
Viele Ausbilder und Presenter haben auch schon hier und da eine Buchveröffentlichung. Hast Du da auch schon irgendwelche Ambitionen entwickelt?
Nein, ich habe bei mehreren Ausbildungshandbüchern mitgewirkt und Workshops entwickelt. Was aber in meinen 12 erlebten Jahren in der Fitnesswelt so alles passiert ist, würde dann doch keiner glauben - oder man sollte es besser nicht schreiben. Also lasse ich es lieber.
Was willst Du in den nächsten Jahren noch erreichen?
Ich will den Menschen wieder mehr in den Vordergrund bringen und keine „arroganten Maschinen züchten“ und mit der NCA viele schöne und abwechslungsreiche Events auf die Beine stellen. Einfach gesagt: Den Menschen den schönsten Gruppensport der Welt näher bringen.
Was hast Du für ein Lebensmotto?
Das Leben so schön wie möglich zu leben und nichts zu bereuen was ich tue. Dieses Leben hat jedem von uns eine Aufgabe gegeben und ich will sie meistern. |